Für Bewerber aus Deutschland, deren Referenzen in Deutschland sitzen
Referenzen in der Schweizer Bewerbung: die zwei Namen, über die Ihre Zusage entschieden wird
Kurz bevor Sie die Zusage bekommen, greift jemand zum Telefon. Nicht immer, aber häufig genug, dass Sie damit rechnen sollten. Am anderen Ende sitzt Ihr früherer Vorgesetzter in Deutschland – und was er in den nächsten vier Minuten sagt, wiegt schwerer als jedes Zeugnis in Ihrem Anhang.
Deutsche Bewerber unterschätzen diesen Anruf systematisch, weil es ihn in Deutschland so nicht gibt. Dort belegt das Arbeitszeugnis, hier bestätigt der Mensch. Diese Seite zeigt, wen Sie nennen, wie Sie fragen, wie Sie die Person vorbereiten – und warum ausgerechnet deutsche Referenzgeber bei Schweizer Anrufen regelmäßig danebengreifen, ohne es zu merken. Warum das Zeugnis im Vergleich weniger wiegt, steht beim Arbeitszeugnis für Schweizer Bewerbungen.
Kurzantwort: Wie gebe ich Referenzen in einer Schweizer Bewerbung an?
Zwei Personen, im Lebenslauf, mit Name, Funktion, Firma, Zeitraum der Zusammenarbeit und direkter Telefonnummer. Direkte Vorgesetzte schlagen alles andere. Fragen Sie jede Person vorher um Erlaubnis – ein überraschter Anruf schadet mehr, als er nützt – und briefen Sie sie kurz zur Zielstelle. Wenn Ihr aktueller Arbeitgeber nichts wissen darf: eine Person aus einer früheren Station nennen, nicht den Block leer lassen. „Referenzen auf Anfrage“ ist zulässig, aber die schwächere Variante.
Warum der Anruf schwerer wiegt als das Papier
Beide Länder wollen dasselbe wissen: War die Person gut? Deutschland beantwortet die Frage schriftlich, verschlüsselt und im Voraus. Die Schweiz beantwortet sie mündlich, direkt und am Schluss.
Das hat einen praktischen Grund. Ein Zeugnis ist verhandelt – zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, oft mit Anwalt, immer mit dem Wissen, dass es nichts Negatives enthalten darf; die verschlüsselte Sprache, die daraus entsteht, erklärt das Arbeitszeugnis für Schweizer Bewerbungen. Ein Anruf ist nicht verhandelt. Deshalb glaubt ein Schweizer Personalverantwortlicher dem Telefonhörer mehr als dem PDF. Er hört Tonfall, Zögern, Begeisterung – Informationen, die kein Dokument transportiert.
Diese Gewichtsverschiebung gehört zu den größeren Unterschieden zwischen deutscher und Schweizer Bewerbung und wird trotzdem selten erklärt. Der Grund ist vermutlich, dass sie unbequem ist: Ein Referenzblock verlangt, dass Sie jemanden anrufen und um etwas bitten. Ein Zeugnis liegt einfach im Ordner.
Wen Sie nennen – die Rangfolge
Nicht jede Referenz ist gleich viel wert. Es gibt eine klare Hierarchie, und sie richtet sich nach einer einzigen Frage: Kann die Person Ihre Arbeit fachlich beurteilen und hat sie es aus eigener Anschauung getan? Wer aus Deutschland kommt und zum ersten Mal einen Schweizer Lebenslauf baut, findet den Rahmen dafür beim Schweizer Lebenslauf – der Referenzblock ist dort ein eigener Abschnitt, kein Anhängsel.
| Kriterium | Warum es zählt | Prüffrage an sich selbst |
|---|---|---|
| Weisungsbefugnis | Nur wer Ihnen Aufgaben gegeben hat, kann beurteilen, wie Sie sie erledigt haben. | Hat die Person meine Arbeit verteilt und abgenommen? |
| Aktualität | Eine Referenz von 2014 beschreibt jemanden, den es so nicht mehr gibt. | Liegt die Zusammenarbeit weniger als fünf Jahre zurück? |
| Dauer | Drei Monate gemeinsam sind keine Grundlage für eine Aussage. | Haben wir mindestens ein Jahr zusammengearbeitet? |
| Fachliche Nähe | Der Anrufer fragt nach Ihrem Fachgebiet, nicht nach Ihrer Persönlichkeit. | Kennt die Person die Arbeit, um die es in der Zielstelle geht? |
| Erreichbarkeit | Wer dreimal nicht rangeht, ist keine Referenz, sondern ein Risiko. | Habe ich eine Durchwahl oder Mobilnummer – kein Sekretariat? |
| Wohlwollen | Ein zögerndes „joa, war okay“ ist schlimmer als gar keine Referenz. | Würde die Person von sich aus etwas Gutes über mich sagen? |
Ein Lebenslauf mit Referenzblock, der stimmt
Referenzen, Pensum, Aufgaben und Verantwortung an der Stelle, an der ein Schweizer Personalverantwortlicher sie sucht. Lebenslauf und Motivationsschreiben im Schweizer Standard – als PDF und Word.
Wie Sie fragen: fertige Formulierungen
Die Bitte um eine Referenz ist unangenehm, weil sie eine Bitte ist. Sie wird leichter, wenn Sie ihr die Schwere nehmen: Fragen Sie konkret, nennen Sie den Aufwand, und geben Sie einen Ausweg. Der richtige Zeitpunkt ist früh – etwa dann, wenn Sie Ihre deutschen Unterlagen ohnehin umbauen, nicht erst wenn die Einladung im Postfach liegt.
„Sehr geehrter Herr Brandt,
ich bewerbe mich derzeit als Produktionsleiter bei einem Industriebetrieb im Aargau. Dürfte ich Sie als Referenz angeben? Es geht um ein Telefonat von etwa fünf Minuten, vermutlich in den nächsten drei Wochen. Falls es Ihnen aus irgendeinem Grund nicht passt, sagen Sie es mir gerne offen – ich habe eine Alternative.“
Warum das wirkt: Konkrete Stelle, konkreter Aufwand, konkreter Zeitraum – und ein Ausweg. Der letzte Satz ist der wichtigste: Er macht ein Nein möglich, und damit ein Ja belastbar.
„Frau Kern, ich melde mich, weil ich mich in der Schweiz bewerbe – bei einem Kantonsspital in Basel. Dort ist es üblich, dass der Arbeitgeber vor der Zusage bei einer Referenzperson anruft. Sie waren zwei Jahre meine Stationsleitung. Wären Sie bereit, das Gespräch zu übernehmen, wenn es dazu kommt?“
Warum das wirkt: Sie erklären die Schweizer Praxis mit. Viele deutsche Führungskräfte kennen das Verfahren nicht und sagen aus Unsicherheit ab – nicht, weil sie Sie schlecht fänden.
„Sehr geehrte Frau Dr. Achenbach,
Sie waren von 2019 bis 2022 meine Abteilungsleiterin in der Qualitätssicherung. Ich melde mich mit einer Bitte: Ich bewerbe mich in der Schweiz, und dort sind Referenzgespräche üblich. Würden Sie das übernehmen? Ich schicke Ihnen vorab gerne eine kurze Erinnerung an unsere gemeinsamen Projekte.“
Warum das wirkt: Der Zeitraum steht drin – Menschen erinnern sich schlecht. Und das Angebot der Erinnerungshilfe ist der Einstieg ins Briefing, ohne dass es nach Regieanweisung klingt.
„Hallo Herr Brandt, ich habe Sie mal als Referenz angegeben, ich hoffe das ist okay. Falls jemand anruft, sagen Sie einfach was Nettes.“
Warum das schadet: Nachträglich informiert statt vorher gefragt, kein Kontext, keine Stelle – und die Bitte, „was Nettes“ zu sagen, macht die Person zur Mitwisserin einer Inszenierung. Viele reagieren darauf mit demonstrativer Neutralität am Telefon. Genau die klingt in der Schweiz wie ein verstecktes Nein.
Das Briefing – der Schritt, den fast niemand macht
Hier entsteht der eigentliche Vorsprung. Fast alle Bewerber fragen ihre Referenz. Fast niemand bereitet sie vor. Dabei ist der Unterschied zwischen einer guten und einer großartigen Referenz nicht die Person, sondern ihre Information.
Stellen Sie sich Ihren früheren Chef vor: Er bekommt einen Anruf aus der Schweiz, mittwochs um halb elf, zwischen zwei Terminen. Er erinnert sich an Sie – grob. Er weiß nicht, auf welche Stelle Sie sich bewerben, was dort verlangt wird und worauf es ankommt. Also sagt er etwas Allgemeines. Allgemein ist in der Schweiz das Gegenteil von überzeugend.
Die vier Zeilen, die Sie schicken
Firma, Funktion, Ort. Ein Satz. „Produktionsleiter, Metallverarbeitung, 120 Mitarbeitende, Raum Brugg.“
Zwei bis drei Punkte aus der Ausschreibung. „Gefragt sind Schichtplanung, Prozessoptimierung und Führung.“
Woran die Person sich erinnern soll. „Bei uns war das die Umstellung auf Dreischicht 2021 und das Kaizen-Projekt.“
Wann der Anruf kommen könnte, damit sie nicht überrumpelt wird. „Vermutlich in den nächsten zwei Wochen.“
„Kurz zur Einordnung, falls der Anruf kommt: Es geht um die Stelle als Produktionsleiter bei einem Metallverarbeiter im Raum Brugg, rund 120 Mitarbeitende. Gefragt sind vor allem Schichtplanung, Prozessoptimierung und Personalführung. Bei uns waren das die Umstellung auf Dreischichtbetrieb 2021 und das Kaizen-Projekt in der Vormontage. Der Anruf käme vermutlich in den nächsten zwei Wochen. Vielen Dank – ich melde mich, wie es ausgeht.“
Der Schlusssatz „ich melde mich, wie es ausgeht“ ist übrigens keine Höflichkeitsfloskel, sondern Investition. Wer Rückmeldung bekommt, sagt beim nächsten Mal wieder ja. Referenzen sind ein Beziehungskonto, kein Automat.
Das Briefing lohnt sich doppelt, weil Sie dabei selbst noch einmal formulieren, worauf es in der Zielstelle ankommt. Wer das in vier Zeilen schafft, hat nebenbei den Kern seines Motivationsschreibens gefunden – und weiß, welche Punkte im Vorstellungsgespräch zuerst dran sind.
Der Referenzblock im Lebenslauf
Ans Ende des Lebenslaufs, nach den Sprachen und der EDV, vor nichts. Ein eigener Abschnitt mit Überschrift, nicht versteckt in einer Fußzeile.
Referenzen
Michael Brandt · Werkleiter, Hoffmann Metalltechnik GmbH, Waldshut · Vorgesetzter 2019–2024 · +49 7751 123456 · m.brandt@…
Katrin Kern · Leiterin Qualitätssicherung, Hoffmann Metalltechnik GmbH · Projektzusammenarbeit 2021–2023 · +49 172 1234567
Referenzen
Michael Brandt · Werkleiter, Hoffmann Metalltechnik GmbH · Vorgesetzter 2019–2024 · +49 7751 123456
Weitere Referenz aus meiner aktuellen Position gerne nach Absprache – mein derzeitiger Arbeitgeber ist nicht informiert.
Fünf Angaben pro Person: Name, Funktion, Firma, Art und Zeitraum der Zusammenarbeit, direkte Nummer. Die vierte ist die, die alle vergessen – ohne sie weiß der Anrufer nicht, ob er mit dem Chef oder dem Bürokollegen spricht. Wie der Lebenslauf drumherum aufgebaut wird, steht beim Lebenslauf nach Schweizer Standard; die Punkte, die für Pendler dazukommen, beim Lebenslauf für Grenzgänger.
Was beim Anruf tatsächlich passiert
Vier bis sechs Minuten, fünf Fragen, immer ungefähr dieselben. Wenn Sie wissen, was kommt, wissen Sie auch, worauf Sie Ihre Referenz vorbereiten.
Frage 4 ist eine Falle für Unvorbereitete. „Wo hatte die Person Entwicklungsfelder?“ – ein deutscher Vorgesetzter, der nichts ahnt, antwortet entweder ehrlich-detailliert (und schießt Sie ab) oder ausweichend („och, nichts Besonderes“, was unglaubwürdig klingt). Die brauchbare Antwort liegt dazwischen: ein echtes, kleines, abgeschlossenes Thema. Genau das können Sie im Briefing anstoßen – nicht vorschreiben, aber ansprechen: „Falls nach Entwicklungsfeldern gefragt wird: Die Präsentationssicherheit war anfangs ein Thema, das haben wir ja über die Schichtleiterrunden gelöst.“
Frage 5 ist die Frage. „Würden Sie die Person wieder einstellen?“ Es gibt nur zwei Antworten: ein sofortiges Ja oder alles andere. Eine halbe Sekunde Pause reicht. Deshalb ist die Auswahl der Person wichtiger als jede Formulierung im Lebenslauf – und deshalb steht in der Auswahltabelle oben „Würde die Person von sich aus etwas Gutes über mich sagen?“ als letztes Kriterium. Wenn Sie diese Frage nicht mit einem klaren Ja beantworten, nennen Sie jemand anderen.
Der Zeitpunkt erklärt auch, warum dieser Anruf so viel Gewicht hat: Er kommt, wenn die Entscheidung fast gefallen ist. Danach folgt nur noch das Angebot – und damit die Frage, die Sie ebenfalls vorbereiten sollten, siehe Lohn in der Schweiz verhandeln und Lohnvorstellung formulieren.
Der Grenzgänger-Sonderfall: deutsche Referenz, Schweizer Anrufer
Und jetzt der Punkt, den Sie auf keiner Schweizer Ratgeberseite finden, weil er dort niemanden betrifft: Ihre Referenzen sitzen in Deutschland – und deutsche Führungskräfte geben mündliche Auskünfte anders als Schweizer.
Der Grund ist Vorsicht. In Deutschland ist die Auskunft über ehemalige Mitarbeitende ein Feld, auf dem viele Vorgesetzte sich unsicher fühlen. Man hat gelernt, dass Zeugnisse wohlwollend sein müssen, dass Personendaten heikel sind, dass man nichts sagen soll, was später jemandem schadet. Also sagt man wenig. Man wird formell, bestätigt Zeitraum und Funktion und verabschiedet sich freundlich.
Was Sie dagegen tun
- Erklären Sie die Praxis mit. Ein Satz genügt: „In der Schweiz ist der Anruf beim früheren Vorgesetzten üblich und ausdrücklich erwünscht – anders als bei uns.“ Viele werden allein dadurch gesprächiger.
- Geben Sie ausdrücklich frei. „Sie dürfen offen über meine Arbeit sprechen, ich habe Sie bewusst benannt.“ Das nimmt die gefühlte Unsicherheit, ob man überhaupt etwas sagen darf.
- Nennen Sie den Ton. „Erwartet wird keine Bewertung wie im Zeugnis, sondern eine normale Einschätzung – konkret und in eigenen Worten.“
- Wählen Sie im Zweifel den Lockereren. Zwischen einem brillanten, aber förmlichen Vorgesetzten und einem soliden, der frei spricht, gewinnt am Telefon der zweite.
- Rechnen Sie mit Sprache und Zeit. Der Anruf kommt während Schweizer Bürozeiten, auf Hochdeutsch – kein Problem. Aber ein deutscher Betrieb mit Werksferien oder Gleitzeit kann drei Tage kosten, und drei Tage vor einer Zusage sind lang.
Dieses Muster gehört in dieselbe Familie wie die anderen Übertragungsfehler zwischen den Systemen: Etwas, das in Deutschland richtig ist, wird in der Schweiz falsch verstanden. Weitere Beispiele sammeln die typischen Fehler bei Schweizer Bewerbungen und die Seite zum Schweizer Bewerbungsstil.
Der Block, der über den Anruf entscheidet
Wir bauen Ihren Lebenslauf so auf, dass Referenzen, Aufgaben und Verantwortung zusammenpassen – und der Anrufer bestätigt, was da steht. Senden Sie uns Ihre Unterlagen und die Zielstelle.
„Referenzen auf Anfrage“ – wann das trägt
Die Formel ist zulässig und in einer Situation sogar richtig: wenn Ihr aktueller Arbeitgeber nichts von der Bewerbung wissen darf. Das versteht jeder Personalverantwortliche sofort, in jedem Land.
Falsch wird sie, wenn sie der ganze Block ist. „Referenzen auf Anfrage“ allein heißt für ein Schweizer Auge: Entweder hat die Person niemanden, oder sie will Zeit gewinnen. Beides ist schlechter als jede halbwegs passende Nennung.
Richtig
Eine Person aus einer früheren Station namentlich nennen – plus der Hinweis, dass die aktuelle Referenz nach Absprache folgt. Der Block ist gefüllt, die Diskretion gewahrt.
Grenzwertig
„Referenzen auf Anfrage“ als einzige Angabe, ohne Begründung. Wird akzeptiert, kostet aber Vertrauen – gerade bei Bewerbern ohne Schweizer Vorgeschichte.
Falsch
Gar kein Referenzblock. Das ist keine Diskretion, sondern eine fehlende Angabe – und wird auch so gelesen.
Der Unterschied zwischen der ersten und der dritten Spalte ist eine Zeile Arbeit. Wer noch nie in der Schweiz gearbeitet hat, kann sich diesen Vertrauensvorschuss am wenigsten leisten – die passende Gesamtargumentation dafür steht bei der Bewerbung ohne Schweizer Berufserfahrung.
Wenn Sie keine Referenz haben
Drei Situationen, in denen der Block schwierig wird – und für jede gibt es eine Lösung, die besser ist als Weglassen.
| Situation | Was viele tun | Was besser funktioniert |
|---|---|---|
| Berufseinstieg | Block weglassen | Praktikumsbetreuerin, Ausbildungsleiter, Dozentin einer Abschlussarbeit. Jeder, der Ihre Arbeit fachlich gesehen hat, zählt – Hierarchie ist zweitrangig. |
| Im Streit gegangen | Den Vorgesetzten trotzdem nennen und hoffen | Jemand anderen aus derselben Zeit: Projektleitung, Nachbarabteilung, interner Auftraggeber. Die Station steht im Lebenslauf, die Referenz muss nicht aus derselben Zelle kommen. |
| Firma existiert nicht mehr | „Firma insolvent, keine Referenz möglich“ | Menschen überleben Firmen. Der Werkleiter arbeitet heute woanders – nennen Sie ihn mit aktueller Funktion und dem Zusatz „damals Werkleiter bei …“. |
| Lange Auszeit dazwischen | Die alte Referenz kommentarlos nennen | Nennen und einordnen: „Vorgesetzter 2016–2019“. Der Zeitraum steht ohnehin da – erklären Sie die Lücke im Lebenslauf, nicht im Referenzblock. |
Der zweite Fall ist der häufigste und der am schlechtesten gelöste. Wer im Streit gegangen ist, denkt in Personen – „ich kann Herrn X nicht nennen, also habe ich keine Referenz“. Ein Schweizer Personalverantwortlicher denkt in Perspektiven: Er will jemanden, der Ihre Arbeit gesehen hat. Ob das der Chef war oder die Projektleiterin von nebenan, ist ihm gleich. Wie Sie eine problematische Station insgesamt einordnen, steht bei Bewerbung mit Lücke im Lebenslauf.
Drei Fälle aus der Praxis
Die Namen sind erfunden, die Konstellationen nicht.
Die Situation: Zwei Gespräche gelaufen, beide sehr gut. Er hat seinen früheren Werkleiter als Referenz genannt – gefragt hat er ihn nicht. „Der sagt sowieso nur Gutes über mich.“
Was passiert: Der Anruf kommt an einem Dienstagvormittag. Der Werkleiter ist überrascht, weiß von nichts, wird vorsichtig: Zeitraum ja, Funktion ja, sonst „müsste ich mich erst wieder einlesen“. Auf die Frage, ob er ihn wieder einstellen würde, sagt er: „Grundsätzlich schon, ja.“ Das Wort „grundsätzlich“ kostet Daniel die Stelle.
Die Korrektur: Vorher fragen, vorher briefen. Der Werkleiter hätte alles Gute gesagt, was Daniel erwartet hat – er hätte nur wissen müssen, dass jemand anruft. Der Fehler war nicht die Personenwahl, sondern die fehlende Vorwarnung.
Die Situation: Sie nennt ihre Stationsleitung – korrekt gefragt, korrekt gebrieft. Die Stationsleitung ist eine gewissenhafte, sehr deutsche Führungskraft: Sie fragt vorsichtshalber in der Personalabteilung nach, ob sie überhaupt Auskunft geben darf.
Was passiert: Die Personalabteilung sagt, aus rechtlicher Vorsicht besser nur Zeitraum und Funktion. Der Anruf aus Basel dauert 90 Sekunden und liefert nichts. Elena ist fachlich unstrittig – aber der Eindruck bleibt hängen, dass da etwas im Weg steht.
Die Korrektur: Der Satz, der gefehlt hat: „Sie dürfen offen über meine Arbeit sprechen, ich habe Sie bewusst benannt – in der Schweiz ist dieser Anruf üblich und erwünscht.“ Deutsche Vorsicht ist kein böser Wille, sondern Unkenntnis eines fremden Verfahrens. Die berufsspezifischen Punkte stehen bei der Bewerbung in der Pflege Schweiz.
Die Situation: Er schreibt „Referenzen auf Anfrage“ – mehr nicht. Aus seiner Sicht selbsterklärend: Man bewirbt sich schließlich nicht offen.
Was ankommt: Ein leerer Block. Der Leser weiß nicht, ob es Diskretion ist oder ein Mangel. Bei einem Bewerber ohne Schweizer Vorgeschichte entscheidet er sich im Zweifel für die ungünstigere Erklärung – er hat zwölf andere Bewerbungen.
Die Korrektur: Eine Person aus der vorletzten Station namentlich nennen und den Grund dazuschreiben: „Weitere Referenz aus meiner aktuellen Position gerne nach Absprache – mein derzeitiger Arbeitgeber ist nicht informiert.“ Aus einem Fragezeichen wird eine nachvollziehbare Erklärung. Für kaufmännische Profile lohnt zusätzlich die Bewerbung im kaufmännischen Bereich.
Typische Fehler
- Der Referenzblock fehlt ganz – in der Schweiz eine fehlende Angabe, keine Diskretion. Für Grenzgänger wiegt das doppelt, weil ohnehin alle Stationen im Ausland liegen; siehe Bewerbung als Grenzgänger.
- Die Person wurde nicht vorher gefragt.
- Die Person wurde gefragt, aber nicht gebrieft.
- Der deutschen Referenz wurde nicht gesagt, dass sie offen sprechen darf.
- Die Personalabteilung steht als Referenz drin – sie bestätigt nur Daten.
- Ein privater Kontakt steht als Referenz drin.
- Die Art der Zusammenarbeit fehlt: Der Anrufer weiß nicht, ob er den Chef oder den Bürokollegen anruft.
- Statt einer Durchwahl steht eine Zentrale mit Sprachmenü da.
- Die Referenz liegt sieben Jahre zurück, ohne dass es erklärt wird.
- „Referenzen auf Anfrage“ steht allein da, ohne Grund und ohne Alternative.
- Drei oder vier Personen genannt – wirkt wie Absicherung statt Auswahl.
- Nach dem Verfahren wurde der Referenzperson nie zurückgemeldet, wie es ausging.
Der letzte Punkt kostet Sie nichts – heute. Beim nächsten Wechsel schon: Wer nie erfährt, wie es ausgegangen ist, hat wenig Lust auf den zweiten Anruf. Und Sie brauchen dieselben zwei Namen wieder, wahrscheinlich schneller, als Ihnen lieb ist. Wie Sie Ihre Unterlagen insgesamt aktuell halten, zeigen die Schweizer Bewerbungsunterlagen.
Checkliste vor dem Absenden
- Zwei Personen ausgewählt – mindestens eine mit Weisungsbefugnis.
- Beide gefragt und beide haben zugesagt.
- Beide gebrieft: Stelle, Anforderungen, Brücke, Zeitraum.
- Beiden ausdrücklich gesagt, dass sie offen sprechen dürfen.
- Selbstprüfung bestanden: Würde jede von sich aus etwas Gutes sagen?
- Fünf Angaben pro Person: Name, Funktion, Firma, Art und Zeitraum der Zusammenarbeit, Nummer.
- Direkte Durchwahl oder Mobilnummer – keine Zentrale.
- Erreichbarkeit geprüft: keine Werksferien, kein Sabbatical, keine Elternzeit.
- Referenzblock steht am Ende des Lebenslaufs, mit eigener Überschrift.
- Falls „auf Anfrage“: Grund genannt und eine Alternativperson benannt.
- Angaben stimmen mit den Stationen im Lebenslauf überein.
Was Sie bekommen, wenn wir Ihre Unterlagen aufbauen
Konkret und überprüfbar – ohne Versprechen, die niemand halten kann:
Feste Paketpreise – Details unter Preise & Pakete.
So läuft es ab
Vorhandener Lebenslauf, Zielstelle und mögliche Referenzpersonen.
Referenzblock, Aufgaben und Verantwortung so, dass sie zusammenpassen.
Ton und Struktur auf Schweizer Erwartung ausgerichtet.
Fertige Bewerbung als PDF und Word, bereit zum Versand.
Transparenz: Wofür diese Seite gedacht ist – und wofür nicht
- Für wen ist diese Seite geeignet?
- Für Bewerberinnen und Bewerber mit Wohnsitz in Deutschland, die sich bei einem Schweizer Arbeitgeber bewerben und deren mögliche Referenzpersonen in Deutschland arbeiten. Vorkenntnisse über Schweizer Auswahlverfahren werden nicht vorausgesetzt.
- Was wird hier erklärt?
- Die Auswahl geeigneter Referenzpersonen, Formulierungen für die Anfrage, der Aufbau eines Briefings, das Format des Referenzblocks im Lebenslauf, der übliche Ablauf eines Referenzgesprächs sowie der Umgang mit „Referenzen auf Anfrage“ und mit Situationen ohne verfügbare Referenz.
- Welchen Nutzen haben Sie davon?
- Sie wissen, wen Sie nennen sollten, wie Sie fragen und was Ihre Referenzperson wissen muss, damit der Anruf Ihnen nützt statt schadet – und Sie haben Beispieltexte, die Sie übernehmen können.
- Was wird bewusst nicht angeboten?
- Keine arbeitsrechtliche, datenschutzrechtliche oder sonstige Rechtsberatung – insbesondere nicht zu der Frage, welche Auskünfte ein früherer Arbeitgeber erteilen darf oder muss. Keine Prüfung von Einzelfällen, keine Bewertung konkreter Zeugnisse, keine Vermittlung von Referenzpersonen und keine Zusicherung von Einladungen oder Einstellungen. Namen und Beispiele sind erfunden.
- Wo liegen die Grenzen der Informationen?
- Ob und wann ein Referenzgespräch stattfindet, hängt vom Arbeitgeber, von der Branche und von der Position ab; die beschriebenen Abläufe sind der verbreitete Standard, keine Regel. Was eine Referenzperson rechtlich sagen darf, richtet sich nach ihrem eigenen Arbeitsverhältnis und den Vorgaben ihres Arbeitgebers – das ist zwischen ihr und ihrer Firma zu klären, nicht mit uns.
Häufige Fragen zu Referenzen in der Schweizer Bewerbung
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