Stand: Juli 2026
Für Bewerber aus Deutschland, deren Referenzen in Deutschland sitzen

Referenzen in der Schweizer Bewerbung: die zwei Namen, über die Ihre Zusage entschieden wird

Kurz bevor Sie die Zusage bekommen, greift jemand zum Telefon. Nicht immer, aber häufig genug, dass Sie damit rechnen sollten. Am anderen Ende sitzt Ihr früherer Vorgesetzter in Deutschland – und was er in den nächsten vier Minuten sagt, wiegt schwerer als jedes Zeugnis in Ihrem Anhang.

Deutsche Bewerber unterschätzen diesen Anruf systematisch, weil es ihn in Deutschland so nicht gibt. Dort belegt das Arbeitszeugnis, hier bestätigt der Mensch. Diese Seite zeigt, wen Sie nennen, wie Sie fragen, wie Sie die Person vorbereiten – und warum ausgerechnet deutsche Referenzgeber bei Schweizer Anrufen regelmäßig danebengreifen, ohne es zu merken. Warum das Zeugnis im Vergleich weniger wiegt, steht beim Arbeitszeugnis für Schweizer Bewerbungen.

Kurzantwort: Wie gebe ich Referenzen in einer Schweizer Bewerbung an?

Zwei Personen, im Lebenslauf, mit Name, Funktion, Firma, Zeitraum der Zusammenarbeit und direkter Telefonnummer. Direkte Vorgesetzte schlagen alles andere. Fragen Sie jede Person vorher um Erlaubnis – ein überraschter Anruf schadet mehr, als er nützt – und briefen Sie sie kurz zur Zielstelle. Wenn Ihr aktueller Arbeitgeber nichts wissen darf: eine Person aus einer früheren Station nennen, nicht den Block leer lassen. „Referenzen auf Anfrage“ ist zulässig, aber die schwächere Variante.

2Personen genügen – mehr wirkt unsicher, weniger dünn
Vor ZusageDer Anruf kommt meist ganz am Ende des Verfahrens
4 Min.So lange dauert ein typisches Referenzgespräch
Immer fragenUngefragt genannt ist der teuerste Fehler überhaupt

Warum der Anruf schwerer wiegt als das Papier

Beide Länder wollen dasselbe wissen: War die Person gut? Deutschland beantwortet die Frage schriftlich, verschlüsselt und im Voraus. Die Schweiz beantwortet sie mündlich, direkt und am Schluss.

Das hat einen praktischen Grund. Ein Zeugnis ist verhandelt – zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, oft mit Anwalt, immer mit dem Wissen, dass es nichts Negatives enthalten darf; die verschlüsselte Sprache, die daraus entsteht, erklärt das Arbeitszeugnis für Schweizer Bewerbungen. Ein Anruf ist nicht verhandelt. Deshalb glaubt ein Schweizer Personalverantwortlicher dem Telefonhörer mehr als dem PDF. Er hört Tonfall, Zögern, Begeisterung – Informationen, die kein Dokument transportiert.

Die Konsequenz für Sie: Sie können Ihr Zeugnis nicht mehr ändern. Ihre Referenz können Sie vorbereiten. Von den beiden Belegen, die über Ihre Zusage entscheiden, ist genau einer noch beeinflussbar – und die meisten Bewerber investieren ihre Energie in den anderen.

Diese Gewichtsverschiebung gehört zu den größeren Unterschieden zwischen deutscher und Schweizer Bewerbung und wird trotzdem selten erklärt. Der Grund ist vermutlich, dass sie unbequem ist: Ein Referenzblock verlangt, dass Sie jemanden anrufen und um etwas bitten. Ein Zeugnis liegt einfach im Ordner.

Kurz zusammengefasst Das Zeugnis belegt, die Referenz bestätigt. Der Beleg ist verhandelt, die Bestätigung nicht – deshalb zählt sie mehr. Und nur sie können Sie noch beeinflussen.

Wen Sie nennen – die Rangfolge

Nicht jede Referenz ist gleich viel wert. Es gibt eine klare Hierarchie, und sie richtet sich nach einer einzigen Frage: Kann die Person Ihre Arbeit fachlich beurteilen und hat sie es aus eigener Anschauung getan? Wer aus Deutschland kommt und zum ersten Mal einen Schweizer Lebenslauf baut, findet den Rahmen dafür beim Schweizer Lebenslauf – der Referenzblock ist dort ein eigener Abschnitt, kein Anhängsel.

Rangfolge möglicher Referenzpersonen nach Aussagekraft Der direkte Vorgesetzte hat die höchste Aussagekraft, gefolgt von Projekt- oder Teamleitung, dann Kundinnen oder interne Auftraggeber, dann gleichrangige Kolleginnen, dann die Personalabteilung. Private Kontakte haben keine Aussagekraft. Aussagekraft für einen Schweizer Personalverantwortlichen Direkte / direkter Vorgesetzte erste Wahl Projekt- oder Teamleitung sehr gut Kundin oder interner Auftraggeber stark, wenn die Stelle passt Gleichrangige Kollegin nur als zweite Nennung Personalabteilung bestätigt nur Daten privat null – nie nennen
Zwei Namen genügen. Idealerweise einer aus der obersten Zeile und einer, der eine andere Perspektive abdeckt.
Auswahlkriterien im Detail
KriteriumWarum es zähltPrüffrage an sich selbst
WeisungsbefugnisNur wer Ihnen Aufgaben gegeben hat, kann beurteilen, wie Sie sie erledigt haben.Hat die Person meine Arbeit verteilt und abgenommen?
AktualitätEine Referenz von 2014 beschreibt jemanden, den es so nicht mehr gibt.Liegt die Zusammenarbeit weniger als fünf Jahre zurück?
DauerDrei Monate gemeinsam sind keine Grundlage für eine Aussage.Haben wir mindestens ein Jahr zusammengearbeitet?
Fachliche NäheDer Anrufer fragt nach Ihrem Fachgebiet, nicht nach Ihrer Persönlichkeit.Kennt die Person die Arbeit, um die es in der Zielstelle geht?
ErreichbarkeitWer dreimal nicht rangeht, ist keine Referenz, sondern ein Risiko.Habe ich eine Durchwahl oder Mobilnummer – kein Sekretariat?
WohlwollenEin zögerndes „joa, war okay“ ist schlimmer als gar keine Referenz.Würde die Person von sich aus etwas Gutes über mich sagen?
Die Personalabteilung ist keine Referenz. Sie bestätigt Eintritt, Austritt und Funktion – mehr darf und mehr will sie nicht. Wer HR als Referenz angibt, signalisiert entweder, dass er niemanden hat, der ihn kennt, oder dass er das System nicht verstanden hat. Beides kostet mehr, als die Nennung bringt. Diese Aufgabe – Daten bestätigen – erledigt in der Schweiz ohnehin das Arbeitszeugnis im Anhang.

Ein Lebenslauf mit Referenzblock, der stimmt

Referenzen, Pensum, Aufgaben und Verantwortung an der Stelle, an der ein Schweizer Personalverantwortlicher sie sucht. Lebenslauf und Motivationsschreiben im Schweizer Standard – als PDF und Word.

Wie Sie fragen: fertige Formulierungen

Die Bitte um eine Referenz ist unangenehm, weil sie eine Bitte ist. Sie wird leichter, wenn Sie ihr die Schwere nehmen: Fragen Sie konkret, nennen Sie den Aufwand, und geben Sie einen Ausweg. Der richtige Zeitpunkt ist früh – etwa dann, wenn Sie Ihre deutschen Unterlagen ohnehin umbauen, nicht erst wenn die Einladung im Postfach liegt.

1 · E-Mail an einen früheren Vorgesetzten

„Sehr geehrter Herr Brandt,
ich bewerbe mich derzeit als Produktionsleiter bei einem Industriebetrieb im Aargau. Dürfte ich Sie als Referenz angeben? Es geht um ein Telefonat von etwa fünf Minuten, vermutlich in den nächsten drei Wochen. Falls es Ihnen aus irgendeinem Grund nicht passt, sagen Sie es mir gerne offen – ich habe eine Alternative.“

Warum das wirkt: Konkrete Stelle, konkreter Aufwand, konkreter Zeitraum – und ein Ausweg. Der letzte Satz ist der wichtigste: Er macht ein Nein möglich, und damit ein Ja belastbar.

2 · Telefonisch, wenn der Kontakt lose ist

„Frau Kern, ich melde mich, weil ich mich in der Schweiz bewerbe – bei einem Kantonsspital in Basel. Dort ist es üblich, dass der Arbeitgeber vor der Zusage bei einer Referenzperson anruft. Sie waren zwei Jahre meine Stationsleitung. Wären Sie bereit, das Gespräch zu übernehmen, wenn es dazu kommt?“

Warum das wirkt: Sie erklären die Schweizer Praxis mit. Viele deutsche Führungskräfte kennen das Verfahren nicht und sagen aus Unsicherheit ab – nicht, weil sie Sie schlecht fänden.

3 · Wenn Sie länger nicht gesprochen haben

„Sehr geehrte Frau Dr. Achenbach,
Sie waren von 2019 bis 2022 meine Abteilungsleiterin in der Qualitätssicherung. Ich melde mich mit einer Bitte: Ich bewerbe mich in der Schweiz, und dort sind Referenzgespräche üblich. Würden Sie das übernehmen? Ich schicke Ihnen vorab gerne eine kurze Erinnerung an unsere gemeinsamen Projekte.“

Warum das wirkt: Der Zeitraum steht drin – Menschen erinnern sich schlecht. Und das Angebot der Erinnerungshilfe ist der Einstieg ins Briefing, ohne dass es nach Regieanweisung klingt.

4 · So bitte nicht

„Hallo Herr Brandt, ich habe Sie mal als Referenz angegeben, ich hoffe das ist okay. Falls jemand anruft, sagen Sie einfach was Nettes.“

Warum das schadet: Nachträglich informiert statt vorher gefragt, kein Kontext, keine Stelle – und die Bitte, „was Nettes“ zu sagen, macht die Person zur Mitwisserin einer Inszenierung. Viele reagieren darauf mit demonstrativer Neutralität am Telefon. Genau die klingt in der Schweiz wie ein verstecktes Nein.

Zum Zeitpunkt: Fragen Sie, bevor Sie den Namen in den Lebenslauf schreiben – nicht, wenn die Einladung kommt. Ein Referenzblock mit einer Person, die noch nichts weiß, ist keine Referenz, sondern eine Wette. Und Sie erfahren nie, ob Sie sie verloren haben: Absagen werden in der Schweiz selten begründet, wie die Seite zur Absage nach der Bewerbung zeigt.

Das Briefing – der Schritt, den fast niemand macht

Hier entsteht der eigentliche Vorsprung. Fast alle Bewerber fragen ihre Referenz. Fast niemand bereitet sie vor. Dabei ist der Unterschied zwischen einer guten und einer großartigen Referenz nicht die Person, sondern ihre Information.

Stellen Sie sich Ihren früheren Chef vor: Er bekommt einen Anruf aus der Schweiz, mittwochs um halb elf, zwischen zwei Terminen. Er erinnert sich an Sie – grob. Er weiß nicht, auf welche Stelle Sie sich bewerben, was dort verlangt wird und worauf es ankommt. Also sagt er etwas Allgemeines. Allgemein ist in der Schweiz das Gegenteil von überzeugend.

Die vier Zeilen, die Sie schicken

1. Die Stelle

Firma, Funktion, Ort. Ein Satz. „Produktionsleiter, Metallverarbeitung, 120 Mitarbeitende, Raum Brugg.“

2. Worauf es ankommt

Zwei bis drei Punkte aus der Ausschreibung. „Gefragt sind Schichtplanung, Prozessoptimierung und Führung.“

3. Die Brücke

Woran die Person sich erinnern soll. „Bei uns war das die Umstellung auf Dreischicht 2021 und das Kaizen-Projekt.“

4. Der Zeitraum

Wann der Anruf kommen könnte, damit sie nicht überrumpelt wird. „Vermutlich in den nächsten zwei Wochen.“

Beispiel-Briefing per E-Mail, komplett:
„Kurz zur Einordnung, falls der Anruf kommt: Es geht um die Stelle als Produktionsleiter bei einem Metallverarbeiter im Raum Brugg, rund 120 Mitarbeitende. Gefragt sind vor allem Schichtplanung, Prozessoptimierung und Personalführung. Bei uns waren das die Umstellung auf Dreischichtbetrieb 2021 und das Kaizen-Projekt in der Vormontage. Der Anruf käme vermutlich in den nächsten zwei Wochen. Vielen Dank – ich melde mich, wie es ausgeht.“
Warum das kein Manipulieren ist: Sie legen der Person keine Worte in den Mund. Sie geben ihr den Kontext, den der Anrufer selbst gegeben hätte, wenn er Zeit gehabt hätte. Ihr früherer Chef sagt nichts Unwahres – er sagt nur das Wahre, das relevant ist, statt des Wahren, das ihm zufällig zuerst einfällt. Das ist der ganze Unterschied.

Der Schlusssatz „ich melde mich, wie es ausgeht“ ist übrigens keine Höflichkeitsfloskel, sondern Investition. Wer Rückmeldung bekommt, sagt beim nächsten Mal wieder ja. Referenzen sind ein Beziehungskonto, kein Automat.

Das Briefing lohnt sich doppelt, weil Sie dabei selbst noch einmal formulieren, worauf es in der Zielstelle ankommt. Wer das in vier Zeilen schafft, hat nebenbei den Kern seines Motivationsschreibens gefunden – und weiß, welche Punkte im Vorstellungsgespräch zuerst dran sind.

Kurz zusammengefasst Fragen ist die Pflicht, briefen ist die Kür – und die Kür entscheidet. Vier Zeilen, fünf Minuten Aufwand, und Ihre Referenz redet über die richtigen Dinge.

Der Referenzblock im Lebenslauf

Ans Ende des Lebenslaufs, nach den Sprachen und der EDV, vor nichts. Ein eigener Abschnitt mit Überschrift, nicht versteckt in einer Fußzeile.

Standardformat, zwei Personen:
Referenzen
Michael Brandt · Werkleiter, Hoffmann Metalltechnik GmbH, Waldshut · Vorgesetzter 2019–2024 · +49 7751 123456 · m.brandt@…
Katrin Kern · Leiterin Qualitätssicherung, Hoffmann Metalltechnik GmbH · Projektzusammenarbeit 2021–2023 · +49 172 1234567
Wenn der aktuelle Arbeitgeber nichts wissen darf:
Referenzen
Michael Brandt · Werkleiter, Hoffmann Metalltechnik GmbH · Vorgesetzter 2019–2024 · +49 7751 123456
Weitere Referenz aus meiner aktuellen Position gerne nach Absprache – mein derzeitiger Arbeitgeber ist nicht informiert.

Fünf Angaben pro Person: Name, Funktion, Firma, Art und Zeitraum der Zusammenarbeit, direkte Nummer. Die vierte ist die, die alle vergessen – ohne sie weiß der Anrufer nicht, ob er mit dem Chef oder dem Bürokollegen spricht. Wie der Lebenslauf drumherum aufgebaut wird, steht beim Lebenslauf nach Schweizer Standard; die Punkte, die für Pendler dazukommen, beim Lebenslauf für Grenzgänger.

Die Telefonnummer ist der Knackpunkt. Eine Zentrale mit Sprachmenü ist keine Referenz. Wer sich dreimal durchfragen muss, ruft nicht mehr an – und ein nicht erreichter Referenzgeber wirkt wie ein ausweichender. Besorgen Sie sich die Durchwahl oder die Mobilnummer, und fragen Sie beim Briefing gleich mit: „Unter welcher Nummer erreicht man Sie am besten?“

Was beim Anruf tatsächlich passiert

Vier bis sechs Minuten, fünf Fragen, immer ungefähr dieselben. Wenn Sie wissen, was kommt, wissen Sie auch, worauf Sie Ihre Referenz vorbereiten.

Ablauf eines Referenzgesprächs mit fünf typischen Fragen Der Anrufer klärt zuerst Zeitraum und Funktion, fragt dann nach den Aufgaben, danach nach Stärken, danach nach Entwicklungsfeldern und stellt zum Schluss die Wiedereinstellungsfrage. Frage 1 Zeitraum und Funktion? Abgleich Frage 2 Welche Aufgaben hatte die Person? Deckt sich das mit dem CV? Frage 3 Was konnte sie besonders gut? Hier zählt Konkretheit Frage 4 Wo hatte sie Entwicklungsfelder? Die heikle Frage Frage 5 Würden Sie sie wieder einstellen? Die entscheidende Dauer insgesamt: vier bis sechs Minuten · Zeitpunkt: meist kurz vor der Zusage
Frage 4 und 5 entscheiden. Ein Zögern vor Frage 5 ist in der Schweiz eine vollständige Antwort.

Frage 4 ist eine Falle für Unvorbereitete. „Wo hatte die Person Entwicklungsfelder?“ – ein deutscher Vorgesetzter, der nichts ahnt, antwortet entweder ehrlich-detailliert (und schießt Sie ab) oder ausweichend („och, nichts Besonderes“, was unglaubwürdig klingt). Die brauchbare Antwort liegt dazwischen: ein echtes, kleines, abgeschlossenes Thema. Genau das können Sie im Briefing anstoßen – nicht vorschreiben, aber ansprechen: „Falls nach Entwicklungsfeldern gefragt wird: Die Präsentationssicherheit war anfangs ein Thema, das haben wir ja über die Schichtleiterrunden gelöst.“

Frage 5 ist die Frage. „Würden Sie die Person wieder einstellen?“ Es gibt nur zwei Antworten: ein sofortiges Ja oder alles andere. Eine halbe Sekunde Pause reicht. Deshalb ist die Auswahl der Person wichtiger als jede Formulierung im Lebenslauf – und deshalb steht in der Auswahltabelle oben „Würde die Person von sich aus etwas Gutes über mich sagen?“ als letztes Kriterium. Wenn Sie diese Frage nicht mit einem klaren Ja beantworten, nennen Sie jemand anderen.

Der Zeitpunkt erklärt auch, warum dieser Anruf so viel Gewicht hat: Er kommt, wenn die Entscheidung fast gefallen ist. Danach folgt nur noch das Angebot – und damit die Frage, die Sie ebenfalls vorbereiten sollten, siehe Lohn in der Schweiz verhandeln und Lohnvorstellung formulieren.

Der Grenzgänger-Sonderfall: deutsche Referenz, Schweizer Anrufer

Und jetzt der Punkt, den Sie auf keiner Schweizer Ratgeberseite finden, weil er dort niemanden betrifft: Ihre Referenzen sitzen in Deutschland – und deutsche Führungskräfte geben mündliche Auskünfte anders als Schweizer.

Der Grund ist Vorsicht. In Deutschland ist die Auskunft über ehemalige Mitarbeitende ein Feld, auf dem viele Vorgesetzte sich unsicher fühlen. Man hat gelernt, dass Zeugnisse wohlwollend sein müssen, dass Personendaten heikel sind, dass man nichts sagen soll, was später jemandem schadet. Also sagt man wenig. Man wird formell, bestätigt Zeitraum und Funktion und verabschiedet sich freundlich.

Und genau das ist die Katastrophe. In der Schweiz liest sich diese deutsche Vorsicht nicht als Rechtstreue, sondern als Zurückhaltung mit Grund. Wer nur Daten bestätigt und sonst schweigt, sagt für Schweizer Ohren: „Ich möchte darüber nicht sprechen.“ Ihre beste Referenz kann Sie so aus reiner Korrektheit versenken – und weder sie noch Sie erfahren jemals davon.

Was Sie dagegen tun

Dieses Muster gehört in dieselbe Familie wie die anderen Übertragungsfehler zwischen den Systemen: Etwas, das in Deutschland richtig ist, wird in der Schweiz falsch verstanden. Weitere Beispiele sammeln die typischen Fehler bei Schweizer Bewerbungen und die Seite zum Schweizer Bewerbungsstil.

Kurz zusammengefasst Ihre Referenz ist deutsch sozialisiert und der Anrufer schweizerisch. Zurückhaltung, die in Deutschland als Anstand gilt, klingt in Basel wie ein verstecktes Nein. Sagen Sie Ihrer Referenz, dass sie reden darf.

Der Block, der über den Anruf entscheidet

Wir bauen Ihren Lebenslauf so auf, dass Referenzen, Aufgaben und Verantwortung zusammenpassen – und der Anrufer bestätigt, was da steht. Senden Sie uns Ihre Unterlagen und die Zielstelle.

„Referenzen auf Anfrage“ – wann das trägt

Die Formel ist zulässig und in einer Situation sogar richtig: wenn Ihr aktueller Arbeitgeber nichts von der Bewerbung wissen darf. Das versteht jeder Personalverantwortliche sofort, in jedem Land.

Falsch wird sie, wenn sie der ganze Block ist. „Referenzen auf Anfrage“ allein heißt für ein Schweizer Auge: Entweder hat die Person niemanden, oder sie will Zeit gewinnen. Beides ist schlechter als jede halbwegs passende Nennung.

Richtig

Eine Person aus einer früheren Station namentlich nennen – plus der Hinweis, dass die aktuelle Referenz nach Absprache folgt. Der Block ist gefüllt, die Diskretion gewahrt.

Grenzwertig

„Referenzen auf Anfrage“ als einzige Angabe, ohne Begründung. Wird akzeptiert, kostet aber Vertrauen – gerade bei Bewerbern ohne Schweizer Vorgeschichte.

Falsch

Gar kein Referenzblock. Das ist keine Diskretion, sondern eine fehlende Angabe – und wird auch so gelesen.

Der Unterschied zwischen der ersten und der dritten Spalte ist eine Zeile Arbeit. Wer noch nie in der Schweiz gearbeitet hat, kann sich diesen Vertrauensvorschuss am wenigsten leisten – die passende Gesamtargumentation dafür steht bei der Bewerbung ohne Schweizer Berufserfahrung.

Wenn Sie keine Referenz haben

Drei Situationen, in denen der Block schwierig wird – und für jede gibt es eine Lösung, die besser ist als Weglassen.

Schwierige Ausgangslagen und was stattdessen geht
SituationWas viele tunWas besser funktioniert
Berufseinstieg Block weglassen Praktikumsbetreuerin, Ausbildungsleiter, Dozentin einer Abschlussarbeit. Jeder, der Ihre Arbeit fachlich gesehen hat, zählt – Hierarchie ist zweitrangig.
Im Streit gegangen Den Vorgesetzten trotzdem nennen und hoffen Jemand anderen aus derselben Zeit: Projektleitung, Nachbarabteilung, interner Auftraggeber. Die Station steht im Lebenslauf, die Referenz muss nicht aus derselben Zelle kommen.
Firma existiert nicht mehr „Firma insolvent, keine Referenz möglich“ Menschen überleben Firmen. Der Werkleiter arbeitet heute woanders – nennen Sie ihn mit aktueller Funktion und dem Zusatz „damals Werkleiter bei …“.
Lange Auszeit dazwischen Die alte Referenz kommentarlos nennen Nennen und einordnen: „Vorgesetzter 2016–2019“. Der Zeitraum steht ohnehin da – erklären Sie die Lücke im Lebenslauf, nicht im Referenzblock.

Der zweite Fall ist der häufigste und der am schlechtesten gelöste. Wer im Streit gegangen ist, denkt in Personen – „ich kann Herrn X nicht nennen, also habe ich keine Referenz“. Ein Schweizer Personalverantwortlicher denkt in Perspektiven: Er will jemanden, der Ihre Arbeit gesehen hat. Ob das der Chef war oder die Projektleiterin von nebenan, ist ihm gleich. Wie Sie eine problematische Station insgesamt einordnen, steht bei Bewerbung mit Lücke im Lebenslauf.

Drei Fälle aus der Praxis

Die Namen sind erfunden, die Konstellationen nicht.

Daniel Rothaug, 44 – Produktionsleiter
Wohnhaft in Waldshut · Endrunde bei einem Metallverarbeiter im Aargau

Die Situation: Zwei Gespräche gelaufen, beide sehr gut. Er hat seinen früheren Werkleiter als Referenz genannt – gefragt hat er ihn nicht. „Der sagt sowieso nur Gutes über mich.“

Was passiert: Der Anruf kommt an einem Dienstagvormittag. Der Werkleiter ist überrascht, weiß von nichts, wird vorsichtig: Zeitraum ja, Funktion ja, sonst „müsste ich mich erst wieder einlesen“. Auf die Frage, ob er ihn wieder einstellen würde, sagt er: „Grundsätzlich schon, ja.“ Das Wort „grundsätzlich“ kostet Daniel die Stelle.

Die Korrektur: Vorher fragen, vorher briefen. Der Werkleiter hätte alles Gute gesagt, was Daniel erwartet hat – er hätte nur wissen müssen, dass jemand anruft. Der Fehler war nicht die Personenwahl, sondern die fehlende Vorwarnung.

Elena Fuchs, 36 – Pflegefachkraft
Wohnhaft in Lörrach · bewirbt sich an einem Kantonsspital in Basel

Die Situation: Sie nennt ihre Stationsleitung – korrekt gefragt, korrekt gebrieft. Die Stationsleitung ist eine gewissenhafte, sehr deutsche Führungskraft: Sie fragt vorsichtshalber in der Personalabteilung nach, ob sie überhaupt Auskunft geben darf.

Was passiert: Die Personalabteilung sagt, aus rechtlicher Vorsicht besser nur Zeitraum und Funktion. Der Anruf aus Basel dauert 90 Sekunden und liefert nichts. Elena ist fachlich unstrittig – aber der Eindruck bleibt hängen, dass da etwas im Weg steht.

Die Korrektur: Der Satz, der gefehlt hat: „Sie dürfen offen über meine Arbeit sprechen, ich habe Sie bewusst benannt – in der Schweiz ist dieser Anruf üblich und erwünscht.“ Deutsche Vorsicht ist kein böser Wille, sondern Unkenntnis eines fremden Verfahrens. Die berufsspezifischen Punkte stehen bei der Bewerbung in der Pflege Schweiz.

Jörg Semmler, 51 – Sachbearbeiter Einkauf
Wohnhaft in Konstanz · aktueller Arbeitgeber weiß nichts von der Bewerbung

Die Situation: Er schreibt „Referenzen auf Anfrage“ – mehr nicht. Aus seiner Sicht selbsterklärend: Man bewirbt sich schließlich nicht offen.

Was ankommt: Ein leerer Block. Der Leser weiß nicht, ob es Diskretion ist oder ein Mangel. Bei einem Bewerber ohne Schweizer Vorgeschichte entscheidet er sich im Zweifel für die ungünstigere Erklärung – er hat zwölf andere Bewerbungen.

Die Korrektur: Eine Person aus der vorletzten Station namentlich nennen und den Grund dazuschreiben: „Weitere Referenz aus meiner aktuellen Position gerne nach Absprache – mein derzeitiger Arbeitgeber ist nicht informiert.“ Aus einem Fragezeichen wird eine nachvollziehbare Erklärung. Für kaufmännische Profile lohnt zusätzlich die Bewerbung im kaufmännischen Bereich.

Das Muster hinter allen drei Fällen: Keiner hatte ein Problem mit seiner Referenzperson. Alle drei hatten ein Problem mit der Vorbereitung – einer hat nicht gefragt, eine hat nicht freigegeben, einer hat nichts erklärt. Zusammen: vielleicht zehn Minuten Arbeit.

Typische Fehler

Der letzte Punkt kostet Sie nichts – heute. Beim nächsten Wechsel schon: Wer nie erfährt, wie es ausgegangen ist, hat wenig Lust auf den zweiten Anruf. Und Sie brauchen dieselben zwei Namen wieder, wahrscheinlich schneller, als Ihnen lieb ist. Wie Sie Ihre Unterlagen insgesamt aktuell halten, zeigen die Schweizer Bewerbungsunterlagen.

Checkliste vor dem Absenden

Elf Checklistenpunkte nach Aufwandsart Acht der elf Punkte sind Vorbereitung, drei sind Formatierung. Der Aufwand liegt fast vollständig im Vorher. Wo die Arbeit liegt: 8 × Vorbereitung, 3 × Formatierung 8 Punkte Vorbereitung 3 Format Fragen, freigeben, briefen – nicht formatieren – entscheidet den Anruf.
Der teure Teil ist nicht die Formatierung des Blocks, sondern die Vorbereitung der Personen dahinter.
Kurz zusammengefasst Elf Punkte, davon acht Vorbereitung und drei Formatierung. Wenn Sie den Lebenslauf nicht selbst umbauen möchten, finden Sie den Ablauf bei der professionellen Bewerbung; weitere Themen sammelt der Ratgeber Schweiz.

Was Sie bekommen, wenn wir Ihre Unterlagen aufbauen

Konkret und überprüfbar – ohne Versprechen, die niemand halten kann:

Referenzblock nach Schweizer StandardFünf Angaben pro Person, am richtigen Ort im Lebenslauf – der Anrufer findet, was er sucht.
Speziell für Grenzgänger nach CHDeutsche Stationen und Referenzen richtig eingeordnet, Statuszeile inklusive.
Unterschiede D↔CH berücksichtigtLebenslauf und Motivationsschreiben passen zum Anruf, den es in Deutschland so nicht gibt.
Fertig in 8 bis 10 StundenLebenslauf und Motivationsschreiben aus einer Hand, aufeinander abgestimmt.
Bearbeitbare Dateien, feste PreisePDF und Word, klarer Paketpreis, kein Abo, keine Folgekosten.
!Keine Jobgarantie, keine VermittlungWir bauen die Unterlagen – wen der Arbeitgeber anruft und einstellt, entscheidet er selbst.

Feste Paketpreise – Details unter Preise & Pakete.

So läuft es ab

1. Unterlagen senden

Vorhandener Lebenslauf, Zielstelle und mögliche Referenzpersonen.

2. Aufbau

Referenzblock, Aufgaben und Verantwortung so, dass sie zusammenpassen.

3. Feinschliff

Ton und Struktur auf Schweizer Erwartung ausgerichtet.

4. Dateien

Fertige Bewerbung als PDF und Word, bereit zum Versand.

Transparenz: Wofür diese Seite gedacht ist – und wofür nicht

Für wen ist diese Seite geeignet?
Für Bewerberinnen und Bewerber mit Wohnsitz in Deutschland, die sich bei einem Schweizer Arbeitgeber bewerben und deren mögliche Referenzpersonen in Deutschland arbeiten. Vorkenntnisse über Schweizer Auswahlverfahren werden nicht vorausgesetzt.
Was wird hier erklärt?
Die Auswahl geeigneter Referenzpersonen, Formulierungen für die Anfrage, der Aufbau eines Briefings, das Format des Referenzblocks im Lebenslauf, der übliche Ablauf eines Referenzgesprächs sowie der Umgang mit „Referenzen auf Anfrage“ und mit Situationen ohne verfügbare Referenz.
Welchen Nutzen haben Sie davon?
Sie wissen, wen Sie nennen sollten, wie Sie fragen und was Ihre Referenzperson wissen muss, damit der Anruf Ihnen nützt statt schadet – und Sie haben Beispieltexte, die Sie übernehmen können.
Was wird bewusst nicht angeboten?
Keine arbeitsrechtliche, datenschutzrechtliche oder sonstige Rechtsberatung – insbesondere nicht zu der Frage, welche Auskünfte ein früherer Arbeitgeber erteilen darf oder muss. Keine Prüfung von Einzelfällen, keine Bewertung konkreter Zeugnisse, keine Vermittlung von Referenzpersonen und keine Zusicherung von Einladungen oder Einstellungen. Namen und Beispiele sind erfunden.
Wo liegen die Grenzen der Informationen?
Ob und wann ein Referenzgespräch stattfindet, hängt vom Arbeitgeber, von der Branche und von der Position ab; die beschriebenen Abläufe sind der verbreitete Standard, keine Regel. Was eine Referenzperson rechtlich sagen darf, richtet sich nach ihrem eigenen Arbeitsverhältnis und den Vorgaben ihres Arbeitgebers – das ist zwischen ihr und ihrer Firma zu klären, nicht mit uns.

Häufige Fragen zu Referenzen in der Schweizer Bewerbung

Wie viele Referenzen gehören in eine Schweizer Bewerbung?
Zwei. Eine wirkt dünn, drei oder vier wirken wie Absicherung statt Auswahl. Idealerweise ist eine der beiden Personen eine direkte oder ein direkter Vorgesetzte mit Weisungsbefugnis, die zweite deckt eine andere Perspektive ab – etwa eine Projektleitung oder eine interne Auftraggeberin.
Wen soll ich als Referenz angeben?
Jemanden, der Ihre Arbeit aus eigener Anschauung fachlich beurteilen kann. Die Rangfolge: direkte Vorgesetzte, dann Projekt- oder Teamleitung, dann Kundinnen oder interne Auftraggeber, dann gleichrangige Kolleginnen. Die Personalabteilung bestätigt nur Daten und ist keine Referenz. Private Kontakte gehören nie in den Block.
Muss ich meine Referenzperson vorher fragen?
Ja, immer – und zwar bevor Sie den Namen in den Lebenslauf schreiben, nicht erst bei der Einladung. Ein überraschter Anruf schadet mehr, als er nützt: Wer von nichts weiß, wird vorsichtig, bestätigt nur Zeitraum und Funktion und klingt dadurch zurückhaltend. Sie erfahren nie, dass es daran lag.
Was steht im Referenzblock im Lebenslauf?
Fünf Angaben pro Person: Name, Funktion, Firma, Art und Zeitraum der Zusammenarbeit sowie eine direkte Telefonnummer. Die vierte Angabe vergessen fast alle – ohne sie weiß der Anrufer nicht, ob er mit der Vorgesetzten oder dem Bürokollegen spricht. Der Block steht am Ende des Lebenslaufs, mit eigener Überschrift.
Was wird beim Referenzanruf gefragt?
Meist fünf Fragen in vier bis sechs Minuten: Zeitraum und Funktion zum Abgleich, dann die Aufgaben, dann die Stärken, dann die Entwicklungsfelder – und zum Schluss die entscheidende: Würden Sie die Person wieder einstellen? Darauf gibt es nur zwei Antworten: ein sofortiges Ja oder alles andere.
Warum wiegt die Referenz in der Schweiz mehr als das Arbeitszeugnis?
Weil ein Zeugnis verhandelt ist und ein Anruf nicht. Das deutsche Zeugnis darf nichts Negatives enthalten, wird oft abgestimmt und manchmal anwaltlich geprüft. Ein Telefonat liefert Tonfall, Zögern und Begeisterung – Informationen, die kein Dokument transportiert. Deshalb glaubt ein Schweizer Personalverantwortlicher dem Hörer mehr als dem PDF.
Meine Referenz sitzt in Deutschland – ist das ein Problem?
Es kann eines werden, wenn Sie nichts sagen. Deutsche Führungskräfte sind bei mündlichen Auskünften häufig zurückhaltend, weil sie sich rechtlich unsicher fühlen. In der Schweiz liest sich diese Vorsicht nicht als Korrektheit, sondern als Zurückhaltung mit Grund. Sagen Sie Ihrer Referenz ausdrücklich, dass sie offen sprechen darf und dass dieser Anruf in der Schweiz üblich und erwünscht ist.
Wie briefe ich meine Referenzperson?
Vier Zeilen per E-Mail: die Stelle in einem Satz, zwei bis drei Anforderungen aus der Ausschreibung, eine Brücke zu gemeinsamen Projekten und der voraussichtliche Zeitraum des Anrufs. Das ist keine Manipulation – Sie geben nur den Kontext, den der Anrufer selbst gegeben hätte. Ihre Referenz sagt dann das Wahre, das relevant ist, statt des Wahren, das ihr zufällig zuerst einfällt.
Ist „Referenzen auf Anfrage“ in Ordnung?
Zulässig, aber schwächer – und richtig nur dann, wenn Ihr aktueller Arbeitgeber nichts von der Bewerbung wissen darf. Auch dann sollte der Block nicht leer bleiben: Nennen Sie eine Person aus einer früheren Station namentlich und schreiben Sie den Grund dazu. Aus einem Fragezeichen wird so eine nachvollziehbare Erklärung.
Was mache ich, wenn ich im Streit gegangen bin?
Sie denken in Personen, der Arbeitgeber denkt in Perspektiven. Er will jemanden, der Ihre Arbeit gesehen hat – ob das der Chef war oder die Projektleiterin von nebenan, ist ihm gleich. Nennen Sie jemand anderen aus derselben Zeit: Nachbarabteilung, interner Auftraggeber, Projektleitung. Die Station steht im Lebenslauf, die Referenz muss nicht aus derselben Zelle kommen.

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